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Wie geopolitische Machtspiele Millionen Menschen ins Elend treiben

  • Sebastian Heinke
  • 30. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

[München, 30.04.2026] Der anhaltende Konflikt zwischen den USA und Iran hat weitreichende Folgen, die weit über den Nahen Osten hinausreichen. Mit der Sperrung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Handels- und Energiepassagen der Welt, geraten globale Lieferketten ins Wanken. Besonders stark steigen die Preise für Dünger und agrarwirtschaftliche Grundstoffe wie Harnstoff oder Ammoniak, deren Kosten seit Kriegsbeginn um rund ein Drittel zugenommen haben (Heißler, 2026). Während solche Preissteigerungen Industrienationen vor allem wirtschaftlich belasten, bedrohen sie in vielen Entwicklungsländern die Existenzgrundlagen der Bevölkerung.

Internationale Organisationen wie IWF, Weltbank und das Welternährungsprogramm warnen deshalb eindringlich vor dramatischen Folgen für die „schwächsten Bevölkerungsgruppen“ weltweit (IWF & Weltbank, 2026). Steigende Düngerpreise führen zu sinkender landwirtschaftlicher Produktivität, was wiederum höhere Lebensmittelpreise und mögliche Hungersnöte zur Folge haben kann, insbesondere in importabhängigen Staaten Afrikas und Asiens. Ökonom Ahmed Mushfiq Mobarak weist darauf hin, dass dies in den ärmsten Regionen der Welt schnell zu weitverbreitetem Hunger führen könnte (Mobarak, 2026).



Gleichzeitig verschärft sich die Lage durch einen drastischen Rückgang internationaler Entwicklungshilfe. Die USA, lange wichtigster Geber weltweit, haben ihre Hilfsleistungen seit 2024 von 82 Milliarden auf etwa 40 Milliarden Dollar halbiert – ein drastischer Einbruch, verursacht durch die radikale Umstrukturierung der Entwicklungsbehörde USAID unter Elon Musk (Heißler, 2026). Die Folgen sind gravierend: Lebensmittelprogramme für Flüchtlinge in Ländern wie Kenia oder dem Libanon wurden eingestellt, und lebensrettende HIV-Behandlungen in Südafrika, Nigeria oder den Philippinen weitgehend gestrichen. Laut „The Lancet“ könnten die Kürzungen bis 2030 bis zu 14 Millionen Menschenleben kosten (The Lancet, 2025).

Auch Deutschland reduziert seine Entwicklungsleistungen und verfehlt das selbst gesteckte UN-Ziel von 0,7 Prozent des BIP deutlich. Insgesamt fällt die weltweite Entwicklungshilfe auf den Stand von vor zehn Jahren zurück, wie das Netzwerk Eurodad berechnet (Eurodad, 2025). Damit fehlen vielen Staaten nicht nur finanzielle Mittel zur Grundversorgung, sondern auch wichtige wirtschaftliche Impulse: Hilfsprogramme dienen in ärmeren Ländern oft als zentrale Nachfragefaktoren, welche Beschäftigung schaffen und Steuereinnahmen ermöglichen. So berichtet etwa Somalia bereits von spürbaren Einbrüchen des Wirtschaftswachstums.

Die Kombination aus geopolitischer Krise, steigenden Preisen und sinkender Unterstützung trifft den globalen Süden somit doppelt: wirtschaftlich und humanitär. IWF-Chefin Kristalina Georgieva mahnt deshalb, man müsse „an das Undenkbare denken und sich darauf vorbereiten“, um drohende Hungersnöte abzuwenden (Georgieva, 2026). Immerhin hat die Weltbank angekündigt, kurzfristig 20 bis 25 Milliarden Dollar zu mobilisieren, um die schwersten Auswirkungen des Iran-Konflikts abzufedern. Ob dies jedoch ausreicht, bleibt angesichts der globalen Dimension der Krise fraglich.


Literaturquellen


Eurodad. (2025). Annual development finance review. European Network on Debt and Development.


Georgieva, K. (2026). Statement at the IMF Spring Meeting. International Monetary Fund.



IWF & Weltbank. (2026). Joint statement on global impacts of the Gulf conflict. International Monetary Fund & World Bank.


Mobarak, A. M. (2026). Global fertilizer shocks and food security. Yale University Press.


The Lancet. (2025). Impact analysis of USAID reductions on global health outcomes. The Lancet Publishing Group.



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