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Politisches Glossar

Sebastian Heinke
24. Mai
4 Min. Lesezeit

1. Steuern, Abgaben und Sozialstaat

  • Abgabenquote: Anteil der gesamten Steuern und Sozialabgaben an der Wirtschaftsleistung oder am Einkommen. Zeigt, wie stark Bürger und Unternehmen insgesamt belastet sind.


  • Beitragsbemessungsgrenze: Obergrenze des Einkommens, bis zu der Sozialversicherungsbeiträge erhoben werden. Einkommensteile darüber sind beitragsfrei.


  • Beitragssatz: Prozentsatz des Bruttoeinkommens, der in eine Sozialversicherung eingezahlt wird (z. B. 18,6 % in die Rentenversicherung).


  • Generationenvertrag: Ungeschriebene Vereinbarung, nach der die Erwerbstätigen mit ihren Beiträgen die Leistungen für Ältere finanzieren – in der Erwartung, dass spätere Generationen dies später für sie auch tun.


  • Lohnnebenkosten: Arbeitgeberanteile zu Sozialversicherungen, die zusätzlich zum Bruttolohn gezahlt werden.


  • LSt – Lohnsteuer: Steuer, die direkt vom Bruttolohn abgezogen und vom Arbeitgeber an das Finanzamt gezahlt wird. Erhebungsform der Einkommensteuer auf Arbeitslohn.

  • KV – Krankenversicherung: Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung. Finanziert u. a. Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Medikamente.

  • RV – Rentenversicherung: Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung. Daraus werden die heutigen Renten gezahlt; später erhält man selbst eine Rente (Teil des Generationenvertrags).

  • AV – Arbeitslosenversicherung: Beitrag zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Finanziert Arbeitslosengeld und Maßnahmen zur Arbeitsförderung (z. B. Umschulungen, Weiterbildungen).

  • PV – Pflegeversicherung: Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung. Unterstützt Menschen, die dauerhaft auf Pflege angewiesen sind (z. B. ambulante Pflege, Pflegeheim).

  • Sozialversicherung: System öffentlicher Versicherungen (v. a. Kranken‑, Pflege‑, Renten‑, Arbeitslosenversicherung), das typische Lebensrisiken absichert.

  • Soziale Sicherungssysteme: Oberbegriff für staatlich organisierte Sicherungssysteme wie Renten‑, Kranken‑, Arbeitslosen‑ und Pflegeversicherung.

  • Progressiver Steuertarif: Steuersystem, bei dem mit steigendem Einkommen nicht nur der Steuerbetrag, sondern auch der Steuersatz steigt.

  • Steuerzahlergedenktag: Symbolischer Tag, den der Bund der Steuerzahler berechnet: Bis dahin arbeiten Bürger im Durchschnitt „für den Staat“, danach für das eigene Einkommen.

  • Umlageverfahren: Finanzierungsprinzip, bei dem laufende Beiträge direkt verwendet werden, um laufende Leistungen zu finanzieren (z. B. gesetzliche Rentenversicherung).

  • Umverteilung: Verlagerung von Einkommen oder Vermögen von einer Gruppe zu einer anderen, etwa durch progressive Steuern und Sozialleistungen.

2. Wirtschaft, Arbeit und Strukturwandel

  • Binnenmarkt: Gemeinsamer Markt der EU, in dem Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen weitgehend frei verkehren können.

  • Bruttoinlandsprodukt (BIP): Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einem Land produziert werden. Zentrale Kennzahl für die Wirtschaftsleistung.

  • Bürokratie: Gesamtheit der staatlichen Regeln und Verwaltungsverfahren. Sichert Rechtsgleichheit, kann aber Entscheidungen verlangsamen und Innovationen behindern.

  • Dekarbonisierung: Verringerung und langfristige Vermeidung von CO₂‑Emissionen, vor allem durch erneuerbare Energien und klimafreundliche Technologien.

  • Deindustrialisierung: Abnahme der Bedeutung der Industrie für Wirtschaft und Beschäftigung, z. B. durch Verlagerungen, Automatisierung oder Strukturwandel.

  • Energiekrise: Phase stark erhöhter Energiepreise und angespannter Versorgungslage, oft durch geopolitische Konflikte oder Engpässe ausgelöst.

  • Exportsektor: Teil der Volkswirtschaft, der Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkauft. In Deutschland zentral u. a. Maschinenbau, Autoindustrie, Chemie.

  • Fachkräftemangel: Situation, in der Unternehmen offene Stellen nicht mit ausreichend qualifizierten Arbeitskräften besetzen können.

  • Inflation: Anhaltende allgemeine Preissteigerung von Waren und Dienstleistungen (z. B. 2 % pro Jahr).

  • Investitionsstau: Aufgestaute, über lange Zeit unterbliebene Investitionen, etwa in Infrastruktur oder Digitalisierung. Schwächt langfristig die Leistungsfähigkeit.

  • Produktivität: Verhältnis von Output (Produktion) zu Input (z. B. Arbeitsstunden). Höhere Produktivität = mehr oder bessere Leistung in derselben Zeit.

  • Protektionismus: Schutz der heimischen Wirtschaft durch Zölle, Subventionen oder andere Handelshemmnisse gegenüber ausländischer Konkurrenz.

  • Strukturwandel: Tiefgreifende Veränderung der Wirtschaftsstruktur, bei der die Bedeutung einzelner Branchen zu‑ oder abnimmt (z. B. Rückgang Kohle, Zunahme Dienstleistungen).

  • Wirtschaftliche Stagnation: Phase, in der die Wirtschaftsleistung kaum wächst. Folgen: u. a. höhere Arbeitslosigkeit, geringe Investitionen, politische Unzufriedenheit.

  • Wirtschaftswachstum: Zunahme der Wirtschaftsleistung, meist gemessen als prozentuale Veränderung des BIP gegenüber dem Vorjahr.

3. Gesellschaft, Demokratie und Politik

  • Demokratie-Stress: Zustand, in dem demokratische Institutionen und Prozesse durch Krisen, Vertrauensverlust und starke Konflikte besonders unter Druck geraten.

  • Demografischer Wandel: Langfristige Veränderung der Bevölkerungsstruktur (z. B. sinkende Geburtenraten, steigende Lebenserwartung). Führt in Deutschland zu einer alternden Gesellschaft.

  • Gesellschaftliche Polarisierung / Polarisierung: Zunahme starker Gegensätze in politischen und gesellschaftlichen Einstellungen. Kompromisse werden schwieriger, Lager entfernen sich voneinander.

  • Integration: Prozess der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte an Bildung, Arbeit, Politik und Gesellschaft.

  • Migrationsgesellschaft: Gesellschaft, in der Migration ein dauerhafter Normalfall ist und viele Menschen unterschiedliche Herkunftsgeschichten haben.

  • Populismus: Politischer Stil, der ein angeblich einheitliches „Volk“ gegen eine „Elite“ stellt und komplexe Probleme stark vereinfacht und personalisiert.

  • Rassismus: Ideologie und Praxis, die Menschen aufgrund zugeschriebener Merkmale (z. B. Hautfarbe, Herkunft, Religion) abwertet und ungleich behandelt – offen oder strukturell.

  • Superdiversität: Sehr hohe Vielfalt in einer Gesellschaft, in der sich Herkunft, Religion, Sprache, soziale Lage und Lebensstile stark überlagern.

  • Verschwörungserzählung: Erzählung, die behauptet, hinter Ereignissen steckten geheime Mächte oder Pläne – ohne belastbare Belege. Dient oft dazu, Misstrauen und Feindbilder zu schüren.

  • Zivilcourage: Mut, sich öffentlich für andere einzusetzen, Unrecht zu benennen und einzugreifen, wenn Menschen bedroht oder diskriminiert werden.

4. Europa, Sicherheit und internationale Politik

  • Binnenmarkt: (siehe oben bei Wirtschaft) – zugleich Kernstück der europäischen Integration.

  • Green Deal: Strategie der EU, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen und Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

  • Migration: Wanderung von Menschen über Grenzen hinweg (Flucht‑, Arbeits‑, Bildungs‑ oder Familienmigration).

  • NATO: Militärisches Verteidigungsbündnis europäischer und nordamerikanischer Staaten. Ein Angriff auf ein Mitglied gilt als Angriff auf alle.

  • Nationalismus: Ideologie, die nationale Interessen über internationale Kooperation stellt und häufig skeptisch gegenüber Institutionen wie der EU ist.

  • Resilienz: Fähigkeit von Staaten und Gesellschaften, Krisen (z. B. Kriege, Pandemien, Wirtschaftsschocks) zu überstehen, sich anzupassen und zu stabilisieren.

  • Sanktionen: Wirtschaftliche oder politische Strafmaßnahmen (z. B. Einfrieren von Vermögen, Handelsbeschränkungen), um das Verhalten anderer Staaten oder Akteure zu beeinflussen.

5. Technologie und Zukunftsbegriffe

  • Künstliche Intelligenz (KI): Systeme, die Aufgaben übernehmen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern: Mustererkennung, Sprachverarbeitung, Entscheidungsfindung usw.

  • Resilienz: (siehe auch oben) – im Zukunftskontext oft: Fähigkeit von Gesellschaften und Infrastrukturen, sich an Klimawandel, Digitalisierung und Krisen anzupassen.

 
 
 

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